Pressemitteilungen 2009
01.12.2009
"Hinterher ist man da freilich schlauer" – Dr. Günther Beckstein zu Gast im UnternehmensEthischen Salon
Das Georg-Simon-Ohm Management-Institut konnte in der ersten Dezemberwoche den früheren bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Günther Beckstein als Gast zum Thema "Konsequenzen aus der Krise" begrüßen.
Dr. Günter Beckstein diskutierte an diesem Abend mit Vertretern von Hochschulen, Banken, Versicherungen, Sozialen Einrichtungen, Wirtschaftsunternehmen und der Stadt Nürnberg über "Konsequenzen aus der Krise – Der Beitrag der Politik zu einer verantwortlichen sozialen Marktwirtschaft". Die Veranstaltung fand im Rahmen des "UnternehmensEthischen Salons" statt, als dessen Gastgeber das Georg-Simon-Ohm Management-Institut seit 2005 fungiert.
Gemeinsam mit den Teilnehmern kamen die Moderatoren Dr. Michael Kläver von der Sparkasse Nürnberg und Dr. Andreas Grabenstein vom Institut persönlichkeit+ethik mit Dr. Beckstein darüber ins Gespräch, wie der Staat sozialverantwortlich handelnde Unternehmen unterstützen kann und inwieweit er regulierend eingreifen darf. Dabei blieben Fragen an Beckstein zu seinen ganz persönlichen Erlebnissen vor und während der Finanzkrise nicht aus.
Zu den Milliardenverlusten der BayernLB wusste er als ehemaliges Verwaltungsratsmitglied zu berichten, dass es "damals völlig unumstritten war, in diese Subprime-Produkte zu gehen; die Rating-Agenturen haben alles mit Triple A bewertet. Wir wären als Politiker in einer absoluten Minderheitenposition gewesen, wenn wir das kritisiert hätten. Das waren mächtige kollektive Meinungen. Hinterher ist man da freilich schlauer". Der Ministerpräsident a.D. sieht "die Politik heute oft als Sündenbock für gesamtgesellschaftliche Fehlstellungen: "Wer redet von der Verantwortung der Finanzwissenschaft in diesem Zusammenhang? Man redet von der Politik und lenkt damit von der eigenen Rolle ab!"
Er äußerte sich entsetzt über die Managerboni: "Nicht, dass ich etwas gegen guten Verdienst hätte. Aber das hat jede Dimension gesprengt". Deshalb ist er für Begrenzungen von Managergehältern. Auf sein Amt als Vizepräses der EKD-Synode angesprochen, meinte Beckstein: "Als Mann der Kirche ist mir die größer werdende Schere zwischen Arm und Reich ein Anliegen. Da muss sich etwas ändern, da ist die Tugend der Wohlhabenden zum Maßhalten gefragt!"
Gleichzeitig zeigt sich B. im Rückblick auf seine Erfahrungen als Politiker pessimistisch, was die Möglichkeit zur Regulierung der Finanzmärkte angeht: "Wir sind da immer zu spät. Und unsere Regelungen sind in der Reichweite zu klein.
Was bleibt? "Ich bin auch deswegen gern zum UnternehmensEthischen Salon gekommen, weil ich denke, dass hier die Unternehmen und Unternehmer selbst gefragt sind. Deren Umsatz übersteigt ja teilweise das Ausmaß ganzer Staatshaushalte. Wenn es da gelänge, vernünftige unternehmens- oder branchenpolitische Regelungen aufzustellen – zum Beispiel für Boni, aber weit darüber hinaus, etwa zur Eigenkapitalquote oder zum Umgang mit riskanten Finanzprodukten – dann könne etwas erreicht und verändert werden".
UnternehmensEthischer Salon
Der UnternehmensEthische Salon wurde im Oktober 2002 als Forum Franken des Deutschen Netzwerks Wirtschaftsethik gegründet. Er bietet einen Gesprächs- und Denkraum, in dem sich Menschen begegnen, die von den ethischen Herausforderungen der globalen und regionalen Wirtschaft bewegt werden. Er ist ein Ort, um Best-Practise-Modelle kennen zu lernen und zu diskutieren, wie Ethik zum Erfolg im Wettbewerb beitragen kann.
Georg-Simon-Ohm Management-Institut
Das Georg-Simon-Ohm Management-Institut wurde bereits vor 10 Jahren als eigenständiges Institut für professionelle akademische Weiterbildung an der Nürnberger Ohm-Hochschule gegründet und ermöglicht es parallel zum Beruf zu studieren. Neben international ausgerichteten Masterstudiengängen werden auch Weiterbildungslehrgänge für Fach- und Führungskräfte angeboten.
Ein ausgewähltes Team aus Hochschuldozenten und Top-Referenten der Wirtschaft gewährleistet die konsequente Verknüpfung von Wissenschaft und Praxis und sichert den aktuellen Wissenstransfer.
Weitere Informationen: www.zeitfuerethik.de und www.gso-mi.de
- Dateien:
2009_gsomi_Beckstein_ag.pdf45 K




